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1284 erstmals urkundlich erwähnt

Die den Aposteln Peter und Paul geweihte Westhofener Pfarrkirche wird im Jahr 1284 erstmals urkundlich erwähnt. Damals stiftete Meister Hermann, der Kutscher des Bischofs Simon von Worms zum Heile seiner Seele der Magnuskirche zu Worms eine Messe. Zur Fundierung derselben vermachte er 3 1/4 Morgen Weinberge zu Westhofen in Moorstein, wovon jedoch der Kirche des heiligen Jacobus (zwar ist in der Stiftungsurkunde von der „Kirche des heiligen Jacobus“ die Rede, gemeint ist aber wohl der diesem gewidmete Altar , der neben dem Katharinen-, dem Marien-, und dem Heilig-Kreuz-Altar auch später noch genannt wird) in Westhofen ein halbes Pfund Wachs zu entrichten war. Außerdem vermachte er zu diesem Zweck „1 Zweitel“ Morgen Acker hinter der Kirche und ein weiteres in Richtung nach Worms gelegenes „Zweitel“.

Eine Kirche bereits zu Beginn des 8. Jahrhunderts

Wenn auch keine weiteren älteren schriftliche Erwähnungen der Westhofener Kirche bekannt sind, so darf doch auf ein höheres Alter geschlossen werden. So spricht die archäologische Auswertung der auf fränkischen Gräbfeldern von Westhofen gemachten Funde für ein Vorhandensein einer Kirche zu Beginn des 8. Jahrhunderts. Der Wunsch, seinen toten Angehörigen in Schatten einer Kirche zu bestatten, führt nämlich in dieser Zeit zur Aufgabe des großen alemannischmerowingischen Totenfeldes am westlichen Ortsausganges, das am Anfang des 6. Jahrhunderts angelegt worden war. Man begrub nun seine Toten bei der neuen Kirche, die – und dies bleibt offen – entweder als die Verbindung mit dem königlichen Salhof Westhofen gegründete königliche Eigenkirche, oder aber als Bau der Abtei Weissenburg im Elsaß. anzusehen ist, in deren Besitz das Westhofener Königsgut schon frühzeitig gelangt war. Für letzeres sprechen die Kirchenpatronen Peter und Paul, die auch die Schutzheiligen der Weissenburger Abteikirche sind. Von dieser ersten Westhofener Kirche, die in Holz- und Fachwerkbauweise errichten worden sein mag, sind keine Spur mehr vorhanden. Jedoch existiert in einem westhofener bäuerlichen Anwesen ein mächtiger steinerner Türsturz, dessen Ornamentik ihn als Bestandteil eines Sakralbaues aus weit zurückliegender Zeit ausweist. Er sei hier erwähnt, weil bisher noch keinerlei Beachtung fand. Vielleicht mag er einst das Portal jener ersten Kirche geschmückt haben.

 

 

 

 

 

 

Wer unterhält den Kirchenturm?

Der Inhalt zeigt daß die Bauordnung aus vorreformatorischer Zeit stammt und – von der Verteilung der Instandhaltungskosten abgesehen – zum Teil nur noch Überlieferungswert besaß. Lediglich bezüglich des Priesters war eine Änderung eingetreten. Seit 1297 hatte ihn das Domstift Worms berufen, nun wird betont, dass diesen die Gemeinde einsetzte. Vor 1297 hatten die Raugrafen das Patronatsrecht, das sie jedoch den Wormser Stiftsherren verkauft hatten, wozu sie von ihrem Lehnsherrn – dem Abt und Convent der Abtei Weissenburg – erst 53 Jahre später die Erlaubnis und Zustimmung erhielten.

Es erscheint bemerkenswert und merkwürdig, dass auch die Haltepflicht der Zucht bestimmter Vatertiere in der Bauordnung festgelegt ist und keinem geringeren wie dem Herrn Pfarrer der Schafbock, und dem edlen Freiherrn von Hohenfels-Reipoltskirchen der Eber zurückgedacht war. Die Stierhaltung, hatte schon damals die Gemeinde. Sie übernahm später auch den „freiherrlichen“ Eber. Die Verpflichtung der Gemeinde, den Turm zu unterhalten, überdauerte kurioserweise alle epochalen Veränderungen und ist erst in jüngster Zeit der Kirche zugefallen.

 

 

 

 

 

Baumaßnahmen vor dem 30jährigen Krieg 

Im Jahr 1556 war durch den pfälzischen Kurfürsten Otto Heinrich die lutherische Lehre in seinen Landen offiziell eingeführt worden. In Westhofen hatte sie schon früher Eingang gefunden, wie Unstimmigkeiten zwischen dem Domstift Worms und der Gemeinde bezüglich der Besetzung der Westhofener Pfarrei im Jahr 1541 erkennen lassen. Die Kirche war damals in schlechtem baulichen Zustand und sollte erneuert werden. Die kurpfälzerische Regierung forderte daher im Jahre 1561 die Herren des Wormser Domstiftes auf, ihren Baupflichten nachzukommen. Zur Begründung hierzu wird angeführt:„dieweil Kirch- und Pfarrhof zu Westhofen der kurpfälzischen Pfalz baufällig zugestellt worden, sondern es gehört dem Domkapital zu. Doch will ihre kurfürstliche Gnade hierin etwas zuzugeben gnädigst verwilligt haben und dann fürderhin die Gebäude in gebührlichem Bau und Wesen halten.“ Die Wiederherstellung wurde offenbar 1547 beendet, wie die Jahreszahl über dem Bogen der zugemauerten Chortüre angibt. Im Jahre 1587 heißt es über die Kirche: „die Kirche ist in ziemlichen Bau, allein das Getäfelund die Glasfenster sind alle böss und zerbrochen“. Auch der Turm war „baufällig, reist und tut sich voneinander, so dass tägliche sein einfallen zu befürchten ist. Da ist allweg dafürgehalten worden, wenn man solches machen lassen wollte, dass über 500 Gulden draufgehen würden und müssten der Gemeinde Zehntherren solches verrichten“. Dies geschah denn wohl auch, wenn auch eine geraume Zeit darüber verstrich. Das Kirchenschiff wurde 1604 erneuert, woran eine Jahreszahl und ein Steinmetzzeichen über dem Nordportal erinnert, der Turm 1607, wie die dortigen Eingang angebrachte Inschrift angibt. Sogar eine „Bordkirch“ gab es damals schon, auf der – wie klagend vermerkt wird – „die Buben grossen Mutwillen trieben, wodurch andere an der Anhörung von Gottes Wort gehindert“ würden; man ist der Meinung, dass „solche Buben“ besser unten stünden und „zum Gesang stehen könnten“. So stand denn – dies besagen sowohl die urkundlichen Nachrichten wie auch die an der Kirche selbst angebrachten Daten. – das Gotteshaus zu Beginn des 17. Jahrhunderts durchaus in „gebührlichem Bau und Wesen“. Auf einer Ortsansicht aus jener Zeit präsentiert sich der Kirchturm mit schmucken Giebelchen, überragt von spitzzulaufendem Dache, das in einem aufgesetztem Türmchen endet. Sogar das Zifferblatt einer Uhr ist am Turm zu erkennen. Nach OSten schließt sich das Kirchenschiff an, das in einem Chor mit erhöhtem glockenhahngeschmücktem Dach seinen Abschluss findet. Davor erhebt sich die dem heiligen Michael geweihte Kapelle. Sie war in ihren Grundrissen kleiner als die heute an dieser Stelle stehende katholische Kirche, hatte zwar keinen Dachreiter, dafür aber ein gewaltiges gotisches Walmdach

Dies alles fiel schon bald nach Beginn der 30jährigen Krieges, dem durch die Soldaten der evangelischen Union am 23.02.1621 verursachten Brand, zum Opfer. Die verängstigten Einwohner waren geflohen und versammelten sich erst wieder am Pfingstfest zu einem gemeinsamen Gottesdienst in der ausgebrannten Kirchenruine. „in der Kirch vor dem Flecken“, der Liebfrauenkirche also, die auch die zweite Zerstörung der Dorfes vom September 1621 überstanden hatte. 1634häuften sich die Bedrückungen und Kriegsdrangsale durch Einquartierung, Durchmärsche und kriegerische Auseinandersetzungen der Soldaten. Dazu kamen Verknappungen von Lebensmitteln und seuchenhafte Krankheiten. Am28. Dezember 1634 vertrieben kurpfälzische Soldaten das im Flecken einquartiertespanische corvolische Regiment, wobei der Anführer einer spanischen Abteilung, die sich in der Kirchruine verschanzt hatte, erschossen wurde.

Das Ortsgericht war in dieser Zeit schon lange nicht mehr zusammengetreten, das dörfliche Verwaltungswesen hatte aufgehört zu bestehen und im Kirchenbuch werden nur noch Todesfälle, Kriegsopfer und von Seuchen Dahingeraffte vermerkt. Mit dem 23. Mai 1635 enden diese Eintragungen. Westhofen wurde zu einem öden, ausgeraubten, ruinierten und vor allen seine Bürger verlassenden Dorf.

 

Glocken und Glockenstreit

Die beiden ältesten Glocken, die bis zum ersten Weltkrieg im Turm hingen, stammten aus dem Jahr 1731. Sie gehörten der bürgerlichen Gemeinde und wurden daher nicht alleine von den Reformierten, sondern auch von den Lutheranern und den Katholiken benutzt.

Im Jahr 1764 hatten nun die Reformierten eine eigene Glocke gießen lassen und berieteten deren Aufhängung im Gemeindekirchturm vor. Lutheraner und Katholiken protestierten energisch dagegen. Sie machten Eingaben an die Regierung, die daraufhin zu vermitteln versuchte. Der Kompromißvorschlag vom3. April 1764 „vermög welchem die Katholici und Lutherani ihre rates Reformierten der von eigenen Mitteln angeschafften Glock vergüten oder vielmehr den Betrag aus Gemeindemitteln hergenommen und diesem nach solche als gemeinschaftliche Glock aufgehangen werden sollte“, fand aber nicht den Beifall der beiden streitendnen Parteien.

„Denen blasen wir auf den Gemeindekirchturm“, soll darauf hin ein reformierter Kirchenältester gesagt, und den Bau eines eigenen Glockenturm vorgeschlagen haben. Und dies geschah dann auch. Auf dem Chor erhebt sich seitdem das schlanke, schieferverkleidete Türmchen, ein in ganz Rheinhessen beispielloses Unikum. Von „Fachleuten“ oft als zum Gesamtbau unpassend verschrien, trägt es zum besonderen Gepräge der Kirche und des gesamten Dorfbildes bei, und verdient es daher auch in Zukunft erhalten zu werden.

Der Turmkopf trägt seit 1764 einen Posaunenengel, der – als ins Bild übertragene Redewendung des Kirchenältesten -„Lutherani und Katholici“ zum Trotz „auf den Gemeindekirchturm bläst!“. Die „Vater-unser-Glocke“ – sie war es, um die sich die Streitigkeiten gesponnen hatten – hängt nun als älteste, wenn auch zwischenzeitlich umgegossen einträchtig neben den anderen im „Gemeindekirchturm“.

Über die Benutzung der Glocke gibt ein Bericht von 1683 Aufschluss. Er lautet: “ Das Geläut dahier, so in zwei Glocken besteht, ist gemeinschaftlich und sowohl Katholici als Reformati bei Exercierung ihres Gottesdienstes sich derselben bedienen. jedoch um solche zu unterscheiden, so läuten Katholici zu diesem gemeinschaftlichen Geläut ihr kleines in ihrem Kirchturm hängendes Glöcklein ebenso mit, wie Reformati ihre in einem besonderen , von ihnen aus eigenen Mitteln auf dem Chor ihrer Kirche erbauten Turm hängenden Glock. Lutherani aber läuten zu ihrem Kirchengang nur eine einzige Glock, welche sie in ihrem Kirchturm hängen haben. Bei Leichenbegräbnissen dahingegen wird dieses gemeinschaftliche Geläut von den drei Religionen gebraucht.“

 

 

Lesen Sie in Kürze, was seit den 1970er Jahren alles geschah!

 

Die Kirche heute - mitten in Westhofen und wunderschön saniert.

 

Mittelalterliche Bauordnung

Die Verteilung der Kirchen-Baulasten regelte eine Bauordnung; seit mittelalterlicher Zeit, bis zur französischen Besetzung 1797, hatten danach alle an den Westhofener Zehnteinkünfte beteiligten weltlichen und geistlichen Herrschaften zur Kircheninstandhaltung beizutragen. Sie ist in dem 1624 neu angelegten „Roten“ Gerichtsbuch der Gemeinde in lateinischer Sprache, wie auch der Übersetzung des Gerichtsschreibers, festgehalten und deckt sich inhaltlich mit dem – wenn auch knapper gefassten – so genannten Wormser Synodale des Wormser Domstiftes von 1496. Im „Roten“ Buch heißt es: „Die Herren des Domstiftes bauen den Chor zur Mess, (stellen) den Kelch, (und halten) das (Pfarr-) Haus des Plebani oder Priesters (instand). Die übrigen Zehntherren den Corpus (=Kirchenschiff). Die Fabrica oder Collectur bestellt allen anderen Zierrat zu den übrigen Altären, die Hostien, die vier immerwährenden Lichter, das Wachs, den Taufstein, das heilige Öl, die Fahnen und das Weihwasser. Die (bürgerliche) Gemeinde bauet den Turm, die Glocken, das Beinhaus, die Totenbahr, die Mauern des Kirchhofs, stellt den Ochsen, bestellt den Kaplan, der jederzeit ein Priester ist, den Glöckner, den Wein zur Messe, das gesegnete Salz. Der Pfarrer stellt den Widder, Herr von Reipoldskirchen den Eber. Der Pfarrer genießt die Einkünfte des Kirchhofs. Der Wein zur Zeit der Kommunion fällt von gewissen Gütern“.

 

 

 

 

Kirchhof

Die Kirche selbst war von einem festungsartig ummauerten Kirchhof, dem Begräbnisplatz der Gemeinde, umgeben. Auch hierauf nimmt die Bauordnung bezug. Wann dieser Friedhof aufgegeben wurde, läßt sich nicht mit Sicherheit ermitteln. Zwar wird 1585 von den Kirchenältesten angeregt, „ein Häuslein zu bauen, da die Totenbein hineingelegt, damit sie nicht auf den Kirchhof ausgestreut würden“. Der Antrag könnte sich jedoch auch auf den Kirchhof bei der Liebfrauenkirche beziehen, denn ein solches Beinhaus dürfte damals, aus älterer Zeit herrührend, bei der Pfarrkirche vorhanden gewesen sein, bei der „Kirche vor dem Flecken“ hingegen noch gefehlt haben. Sicher ist lediglich, daß das die Pfarrkirche umgebende Gelände damals noch als „Kirchhof“ betrachtete und bezeichnet wurde, auf dem sich an Sonntagen das junge Volk zu allerlei ärgernisserregender Kurzweil zusammenfand. Der Gemeindebüttel wurde daher von den Kirchenältesten beauftragt, daß er die Spieler sonntags vor der Predigt von dem Kirchhof sollt herabtreiben“.

Angesehene Familien hatten ihre Grablege im inneren der Kirche. So auch Ritter von Westhofen. Ein Angehöriger dieser Familie war der 1292 verstorbene Ritter Berthold, dessen Grabplatte nun an der Südwand der Chores steht.

Ein Grabsteinfragment aus jener Zeit ist auch über dem Fensterloch im Erdgeschoss des Turmes eingemauert. Es bezeichnete einst das Grab der „Jacobus“.

 

Der Wiederaufbau

Erst nach 13 Jahren kamen nach dem westfälischen Frieden von 1648 die Überlebenden mit ihren vielfach in der Fremde geborenen Kindern wieder in den Verwüsteten Flecken zurück. Sie begannen mit den neuhinzukommenden Einwanderern ihre Häuser wieder aufzubauen.

1663 war auch die Wiedererrichtung des Kirchenschiffes auf Kosten der kurpfälzischen Kellerei Alzey im wesentlichen zum Abschluss gekommen. Eine darauf hinweisende Inschrift befindet sich auf den beiden Stützbalken links und rechts von der Orgel. „Anno Domini 1663. Johann Jakob Handel, Zimmermann im Hirschhorn, machte diese Kirche“, so verkündet die dort in großen Buchstaben in das Holz geschnittene Schrift.

Zu einer bevorstehenden „völligen Ausfertigung des einen Kreuzgangs in der Kirche hat man nothalber, weilen sie sonst nicht zu bekommen gewesen, in dem noch zerstörten Chor 6 Schuh lang und 7 Schuh breit Stein aufgenommen, welche hiernächst be der Aufbauung des Chors dessen Bauherrn sollen resultiert und beigebracht werden.“ Dem Domstift, als dem Bauherrn des Chors, sollte demzufolge die Steine wieder ersetzt werden. Durch den lothringischen Krieg (1665-1668) scheint es zunächst nicht dazu gekommen zu sein. Denn schon hier im Oktober des ersten Kriegsjahres wurden die Gemeindemitglieder durch plündernde Soldaten verjagt und der Pfarrer hatte sich mit den Kirchenbüchern in Worms in Sicherheit bringen müssen.

Erst im Mai 1672 dachte man wieder daran die Bauarbeiten an der Kirche fortzuführen. Man überprüfte die alte Bauordnung, legte für jeden der westhofener Zehntherren die anteiligen Kosten fest, wobei die Kellerei Alzey, die Kellerei Bolanden, die Collectur Pfeddersheim, Pfalz-Simmern, das Domstift und die Gemeinde Westhofen genannt werden.

Doch überzog noch im gleichen Jahr der französische König die pfälzischen Lande mit einem erneuten Raubkrieg, so dass alle Bauvorhaben unterbleiben mussten. In den Jahren 1673-1679 erfolgten keine Eintragungen in die Kirchenbücher, denn der Pfarrer wie auch die westhofener Bürger waren auf der Flucht oder im Versteck vor den französischen Dragonern. Im Jahr 1676 wurde Westhofen zum 4. mal innerhalb von 55 Jahren zerstört, wobei auch die Kirche wieder in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Erst in der 10jährigen Friedenszeit zwischen 1678-1688 kam es zu einer umfassenden Erneuerung der Kirche, die 1684 abgeschlossen war. Die verschiedenen Bauherren hatten 2320 Gulden, eine für die damalige Zeit eine erhebliche Summe, dafür aufbringen müssen. Lediglich der Turm scheint noch, wie schon 1672 als „abgebrannter Kirchturm an der Kirche auf dem Markt“ verblieben zu sein.

Unbeschadet überstand die Kirche den nächsten Raubkrieg Ludwigs XIV von 1688-1697. Erst danach erhielt der Turm ein bescheidenes Zeltdach, das 1710 vollendet war. Die Böden in den Turmgeschossen hatte man aus Sparsamkeitsgründen indessen noch nicht alle eingezogen und der Glockenstuhl war nur vom Kirchenspeicher aus über eine Treppe erreichbar. Für das, zum Ausbau aufgenommene „Turmkapital“, hatte die Gemeinde noch 39 Jahre später Zinsen aufzubringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Baupflichten und Bautätigkeiten im 18. und 19. Jahrhundert

Im Jahr 1784 wird über die Baupflichten berichtet: „Die reformierte Kirch müssen sämtliche Frucht- und Weinzehnten Decimatores bauen, auch unterhalten. Die Innengebäude aber, als Kanzel und Stühl usw. hochlöblich Geistliche Administratoren. Den Chor an dieser Kirch hingegen muss kurfüstlich hochlöbliche Hofkammer wegen einem von dem hohen Domstift Worms übernommenem Stück Zehnten alleine bebauen… Die in dem an dieser Kirche befindlichen Turm hängenden beiden Glocken… wie auch die Uhr, werden von dahiesiger Gemeinde gestellt und unterhalten.“

In der Franzosenzeit kamen die Baupflichten der Zehntherren in Wegfall und nach der Vereinigung der Lutheraner und Reformierten zur evangelischen Union im Jahr 1822 übernahm die Baupflicht an Kirchenschiff und Chor die evangelische Kirche. Nur der Turm stand noch bis vor wenigen Jahren in der Obhut der bürgerlichen Gemeinde.

Als größere bauliche Maßnahme der Letzteren ist vor allem die Errichtung des neuen Turmhelmes im Jahr 1896 zu nennen, der – wie es in der Pfarrchronik heißt – „nun eine wirkliche Zierde des Fleckens“ ward. Dabei verschwand der nach dem Frankreichfeldzug 1870/71 auf dem Turmdach angebrachte Reichsadler (für lange Zeit auf dem Rathausspeicher), da er durch ein stilgerechtes gotisches Kreuz ersetzt wurde. Auch im Jahr 1900 beteiligte sich die Gemeinde an der Außenrenovierung der Kirche.

Im Jahr 1948 erhielt sie ein aus 4 Stahlglocken bestehendes neues Geläut. 54 Zentner wiegt die größte der Glocken. Sie wurden “ in harter Notzeit gestiftet von der evangelischen Gemeinde.“ So steht auf den gußeisernen Inschrifttafeln über den Glocken, die zum Teil mit Wein bezahlt wurden, da sie noch vor der Währungsreform geliefert worden waren.

Bis zur großen Innenrenovierung 1976/77 hat die Kirche zwar manche Änderung und Erneuerung erfahren, ihr äußerliches Bild in den letzten acht Jahrzehnten aber dennoch unverändert bewahrt.

So ist die Geschichte der Westhofener Pfarrkirche – und dies sollte in vorstehender Aufzeichnung ersichtlich gemacht werden – geprägt von Zerstörung und Wiederaufbau. Sie birgt in sich aber auch die Geschichte der Vertreibung und der Wiederheimkehr, des Zusammenfindens und Neubeginns, der Hoffnung und des Glaubens.

  

 

 


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