Kirchenhistorie

Die evangelische Kirche in Westhofen

Die heute evangelische Kirche von Westhofen ist die ältere der beiden Kirchen, die sich Am Markt befinden. Die Pfarrkirche von Westhofen trägt, wie die katholische Kirche auch, den Namen der Apostelfürsten St. Peter und Paul. Sie wurde 1284 zum ersten Mal erwähnt als Meister Hermann, der Kutscher des Wormser Bischofs Simon von Schöneck (gest. 1291) zu seinem Seelenheil der Magnuskirche in Worms eine Messe stiftet. Zur Fundierung der Messe vermachte er der Wormser Kirche einen Teil seiner Weinberge in Westhofen im Moorstein und der Kirche daselbst entrichtete er ein halbes Pfund Wachs. Zu diesem Zweck vermachte er ebenso einen Teil seiner hinter der Kirche und nach Worms gelegenen Äckern.

Archäologische Funde im Bereich der Kirche lassen sie bis ins 8. Jahrhundert zurückdatieren. Die Entstehung der Kirche blieb bisher offen. Man vermutet, dass sie entweder eine Eigenkirche des königlichen Salhofs war oder von der Abtei Weißenburg im Elsaß gebaut wurde. Für die letztere Möglichkeit spricht die Wahl des Patroziniums St. Peter und Paul, da die Apostelfürsten auch Patrone der Abtei Weißenburg sind. Die Abtei Weißenburg besaß Güter in zahlreichen rheinhessischen Ortschaften und oftmals auch das Patrozinium der Kirche, wie z.B. auch im nahegelegenen Gundersheim. Von dieser ersten Kirche ist kaum noch etwas erhalten. Lediglich ein Türsturz an einem Anwesen wird ins 12. Jahrhundert datiert und aus dieser ersten Kirche vermutet. Aus dem Mittelalter hat sich eine Grabplatte des Ritters Berthold von Westhofen (gest. 1292) erhalten, die heute im Chorraum der Kirche angebracht ist.

Die Instandhaltung der Kirche oblag verschiedenen Zehntherren, sowohl weltlichen als auch kirchlichen Herren. Laut dem 1624 neu angelegten roten Buch, das in knapper Weise das Wormser Synodale von 1496 wiedergibt, war das Wormser Domstift für die Instandhaltung des Chores, des Kelches und das Pfarrhaus zu sorgen. Die übrigen Zehntherren trugen zur Instandhaltung des Kirchenschiffs sowie unterschiedlicher liturgisch wichtiger Gefäße und Utensilien bei. Mit der Pflege des Kirchenschiffs war auch die der Altäre verbunden. Die Zivilgemeinde übernahm die Pflege des Turms. Bis ins 20. Jahrhundert hatte die zivile Gemeinde den Turm zu erhalten bis die Kirchengemeinde sie dann einvernehmlich davon entließ.

Das Wormser Synodale nennt 1496 fünf Altäre in der Kirche. Der Hochaltar war den Hll. Petrus und Paulus geweiht und das Wormser Domstift hatte ihn zu unterhalten. Auf der rechten Seite standen die Altäre der Hl. Katharina von Alexandria und des Hl. Jakobus d. Ä. Auf der gegenüberliegenden Seite standen ein Marien- und ein Hl. Kreuz-Altar. Alle Altäre hatten ihre Einkünfte und Benefizien. Diese Einkünfte bestanden auch nach der Glaubensspaltung noch im 18. Jahrhundert fort und flossen in die Almosen-Kasse der reformierten Gemeinde.

1548 tauchte mit Hieronymus Brack aus Worms erstmals ein lutherischer Pfarrer in Westhofen auf. Er war ehemals katholischer Priester. 1556 führte Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559; Amtszeit: 1556-1559) offiziell die lutherische Lehre in seinem Land ein. Da Westhofen kurpfälzisch war, nahm die Bevölkerung größtenteils auch die neue Lehre an. Mehrere Konfessionswechsel fanden statt. Die Mehrheit der Bevölkerung nahm den letztendlich etablierten reformierten Glauben an, der seit dem Konfessionswechsel unter Johann Kasimir von Pfalz-Simmern (1543-1592; Amtszeit 1582-1593) wieder vorherrschend wurde. Lediglich eine kleinere Gemeinde Lutheraner und Katholiken verblieben im Untergrund.

1561 forderte die Gemeinde Westhofen das Wormser Domstift auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen, denn es standen wichtige Reparaturen an der Kirche an. 1574 waren diese Arbeiten abgeschlossen, wie die Jahreszahl über dem Bogen der zugemauerten Chortür angibt und die 1864 zum Vorschein kam. Der Chor ist also der älteste Teil der aktuellen Kirche.

1587 stand eine weitere Renovierung bevor, denn es heißt über die Kirche „Die Kirch ist in ziemlichem Bau, allein das Getäfels und die Glasfenster darinnen sind alle bös und zerbrochen“. Der Turm war ebenfalls baufällig und drohte auseinanderzufallen. 1604 waren die Arbeiten abgeschlossen. Noch 1610 wurde die protestantische Pfarrkirche zusammen mit der Friedhofskapelle St. Michael auf einem Stich dargestellt.

Kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Kriegs zündeten Truppen der Evangelischen Union am 23. Februar 1621 den gesamten Ort an. Die Flammen erfassten den gesamten Ort. Inmitten der ausgebrannten Ruine der Pfarrkirche feierten die wieder zurückgekehrten Westhofener ihren Pfingstgottesdienst 1621.

1663 wurde der Wiederaufbau der Pfarrkirche abgeschlossen. Das Kirchenschiff wurde auf Kosten der kurpfälzischen Kellerei in Alzey wiedererrichtet. Auf den beiden Stützbalken rechts und links von der Orgel lässt sich diese Instandsetzung ablesen. Dort steht: Anno Domini 1663. Johann Jakob Handel Zimmermann aus Hirschhorn machte diese Kirche.

1676 wurde Westhofen erneut zerstört, diesmal durch französische Dragoner, wobei die Kirche beschädigt wurde. Der Turm wird als abgebrannter Turm an der Kirch auf dem Markt bezeichnet.

Zwischen 1678 und 1684 wurde das Kirchenschiff umfassend erneuert. Der Turm blieb als abgebrannter Turm vorerst so stehen. Während des nächsten Kriegs, dem Pfälzischen Erbfolgekrieg blieb die Kirche erstmals unbehelligt, so dass 1710 der Turm erneuert und ein neuer Helm aufgesetzt wurde. Der aktuelle Helm wurde erst im 20. Jahrhundert aufgesetzt. Da sich die Gemeinde noch keine Glocken leisten konnte, wurden die Westhofener durch Trompetenblasen zum Gottesdienst gerufen.

Erst 1731 konnten zwei Glocken angeschafft werden, die bis zum Ersten Weltkrieg im Turm hingen und dann als Kriegsmaterial in die Schmelze gingen. Interessant ist, da der Glockenturm der Zivilgemeinde gehörte, dass die Glocken von der lutherischen und katholischen Gemeinde ebenfalls genutzt werden durfte. Als die reformierte Gemeinde eine eigene dritte Glocke 1764 gießen ließ, protestierten die anderen Gemeinden dagegen. Da sich keine Schlichtung zwischen den Parteien erzielen ließ, ließ die reformierte Gemeinde über dem Chor der Kirche einen kleinen zierlichen Glockenturm aufrichten, um ihre Glocke daran aufzuhängen. „Denen blasen wir auf den Gemeindekirchturm“, soll darauf hin ein reformierter Kirchenältester gesagt, und den Bau eines eigenen Glockenturm vorgeschlagen haben. Seitdem hat die protestantische Pfarrkirche von Westhofen dieses einmalige Erscheinungsbild mit zwei Kirchtürmen, einen großen und einen kleinen. Den kleineren Kirchturm ziert ein posaunenblasender Engel, der – als ins Bild übertragene Redewendung des Kirchenältesten “Lutherani und Katholici“ zum Trotz auf den Gemeindekirchturm bläst.

Neben den Glocken, die zum Gottesdienst riefen, wollte die Kirchengemeinde doch recht zügig eine neue Orgel errichten lassen. Das geschah 1748 durch den Orgelbauer Johann Nikolaus Stumm (1694-1769), der auch für die katholische Kirche in Westhofen ein Orgelwerk gebaut hat. Die Orgelempore befindet sich im wie üblich Westen, die aber wie für protestantische Predigerkirchen vorgesehen an der Nord- und Südwand bis zur Ostwand weitergeführt wird. Getragen wird die Empore durch einfache Holzsäulen, die aber an den Ecken reicher verziert sind.

Der Innenraum der Kirche zeichnet sich durch die Einheit von Chor und Kirchenschiff ohne Seitenschiff aus. Die gotischen Spitzbogenfenster geben Zeugnis vom Alter der Kirche. Sie besitzen kein Maßwerk, was ihre vergleichsweise späte Entstehung verrät. Es sind fünf Fenster zu beiden Seiten des Kirchenschiffs. Sie sind alle gleich groß bis auf eines, das über einem Portal angebracht ist und deshalb kleiner ausfiel. Die Decke ist eine typische Flachdecke des 17. Jahrhunderts.

Sie hat bis heute, trotz viele Re-Gotisierungsbestrebungen (vgl. Gundersheim) überlebt und erinnert daran, dass die Kirche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wiederaufgebaut worden ist. Der fünfseitig geschlossene Chorraum hat vier Spitzbogenfenster. Eines ist vermauert, weil sich daran die Sakristei anschließt.

Mehrere schöne bunte Glasfenster entstanden wohl im 19. oder 20. Jahrhundert. Im Chorraum sind es Darstellungen der Geburt Christi, die Kreuzigung Christi und Christi Himmelfahrt. Im Kirchenschiff sind zwei Fenster besonders hervorzuheben: Christus als Erlöser nach der Skulptur von Berthel Thorvaldsen (1770-1844) im Hochaltar der Vor Frue Kirke in Kopenhagen aus dem Jahr 1839 sowie eine halbfigurige Darstellung des schwedischen Königs Gustav II. Adolph (1594-1632).

Verfasser: Alexander Wißmann M.A.
Quelle

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